Geschichte der Bocknarrenzunft

Der aus Konstanz stammende Kunstmaler Sepp Biehler war zusammen mit seiner Frau Ingeborg aus beruflichen Gründen nach Boxberg gekommen. Hier sollte er seine Spuren hinterlassen und das nicht nur an vielen Gebäuden in Form von Steinschnitten.

Am 3. März 1957 gründete das Ehepaar die Zunft der Bocknarren von Boxberg. Sepp Biehler stellte die ersten, von ihm entworfenen Masken vor: den „Bock-Narr“ und das „Geisele“. Geschnitzt wurden diese von August Goebel, einem Bildhauer aus Assamstadt. Die ersten Filze entwarf Ingeborg Biehler und nähte sie auch selbst.

Doch bis zum ersten Bocknarrenschlagen sollte es noch ein Jahr dauern. In dieser Zeit veranlasste Biehler, dass noch weitere Masken und Filze gefertigt wurden. Diese wurden dann von Boxberger Geschäftsleuten erworben und an ausgesuchte Bürger der Stadt verliehen.

Biehler vereinte in den Bocknarren die uralten Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fastnacht mit der Legende um das Boxberger Wappentier. 

Dieser – historisch zwar nicht erwiesenen – Legende nach, wurde Boxberg vor vielen hundert Jahren von einem Feind belagert. Die Stadtmauern und der Wille der Bürger hätten die Belagerer auch noch lange aufgehalten, wenn der Hunger nicht gewesen wäre, denn die Vorräte neigten sich langsam dem Ende zu. Da hatte ein beleibter Schneider einen genialen Einfall: Er ließ sich in ein Bockfell einnähen und spazierte vor den Feinden auf der Stadtmauer entlang. Als diese sahen, welch fetten Böcke sich noch innerhalb der Mauern befanden, erkannten sie, dass an ein Aushungern nicht zu denken war. Über Nacht zogen sie ab, Boxberg war gerettet und bekam seinen Namen.

Am 15. Februar 1958, dem Fastnachtssamstag, war es dann soweit. Auf dem Ballabend des VfB Boxberg, im Gasthaus „Zum Löwen“, verlas der Zunftmeister und Narrenvater Sepp Biehler die von ihm verfasste Urkunde über die Gründung der Zunft und die ersten Böckle und Geißle wurden geschlagen.
Und so heißt es seit mehr als 50 Jahren beim Bocknarrenschlagen:

Den Bürgern der Stadt Boxberg kund und zu wissen,
dass am Fastnachtssonntag anno domini 1957
die Zunft der Bocknarren zu Boxberg gegründet ist worden.
Am selbigen Tag sollen fürderhin durch den Zunftmeister
die Jungnarren zu Narro mit der Zunftbritschen geschlagen werden.


Bereits sechs Tage später war in der Zeitung zu lesen: „Boxberg hat charakteristische Figuren bekommen, den „Bocknarren“ mit seinen „Geißele“, die im Laufe der Jahre sehr wohl zur Tradition werden können.“ Was die Zeitungen bereits damals voraussagten, ist also wahr geworden. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Böckle und Geißle dazu, so dass der Verein heute über 100 Mitglieder zählt. Außerdem noch zahlreiche Ehrenlaufnarren, die aufgrund besonderer Verdienste und Leistungen in die Zunft aufgenommen wurden.

1964 kam dann ein weiteres wichtiges Mitglied dazu: Unser Zunftbock Fridolin, geschnitzt wurde dieser ebenfalls von August Goebel. Seither ist er ein fester Bestandteil beim Bocknarrenschlagen. In früheren Jahren wurde für die Zeremonie des Schlagens ein Pferd – also das Turngerät – verwendet. Bei Auswärtsbesuchen, bei denen Fridolin nicht mitgenommen werden konnte, aber dennoch ein Ehrenlaufnarr geschlagen werden sollte, ersetzten ihn zwei Böckle.
Heute darf Fridolin aber auf keinem Umzug fehlen. Hier werden Frauen aus den Reihen der Zuschauer herausgesucht – manchmal auch heraus gefangen – die dann auf Fridolins Rücken ein Stück am Umzug teilnehmen dürfen. Den einen gefällt das mehr, den anderen eher weniger. Seitdem wir aber die Auflage haben, dass der Bock zu jeder Zeit auf vier Rädern fahren muss, klappt das ganz gut.

1967 – zum 10jährigen Jubiläum – gab es wieder zwei Neuheiten. Zum einen komponierte uns Viktor Hasselmann aus Freiburg einen Narrenmarsch, zum anderen wurde der „brave Heinrich“ vorgestellt. Beim „braven Heinrich“ handelte es sich um eine Steinmaske, die von der Boxberger Burg stammte. Biehler entdeckte und renovierte sie. Danach wurde die Maske von Wolfgang Goebel in Holz geschnitzt, wohnte dem Bocknarrenschlagen bei und begleitete die Zunft auf Umzügen.
Leider sind sowohl der Narrenmarsch als auch der „brave Heinrich“ in Vergessenheit geraten.

1969 verließ das Ehepaar Biehler Boxberg und ging in den Hochschwarzwald, genauer nach Bernau. Dort verstarb Sepp Biehler 1973 im Alter von 65 Jahren.

Neuer Zunftmeister wurde Ernst Koch, allerdings nur für vier Kampagnen, denn 1974 gab es bereits wieder einen neuen Chef: Peter Metzger. Er erlebte gleich in seinem ersten Amtsjahr auf einem Narrentreffen die Einweihung eines Narrenbrunnens und schwor sich: „Das nächste Narrentreffen in Boxberg wird mit der Einweihung eines Narrenbrunnens verbunden sein.“
Zum 25jährigen Jubiläum 1982 hatte es leider nicht ganz gereicht, dafür aber fünf Jahre später zum 30jährigen Bestehen der Bocknarren. Nach dreijähriger Planung war dann 1986 der Baubeginn. Einige freiwillige Helfer aus der Zunft entfernten das alte Becken an der Sparkasse, hoben von Hand eine Grube aus und betonierten das Fundament. Darauf wurde dann das neue Becken gesetzt und mit rotem Sandstein verkleidet. Außerdem wurden über Eck ein „Böckle“ und ein „Geißle“ aufgesetzt, welche von Elmar Goebel aus Assamstadt entworfen und von Hans-Jürgen Daberger in Stein gehauen wurden.
Die offizielle Einweihung fand am 7. Februar 1987 durch den damaligen Bürgermeister Franz Zipperle statt. Geweiht wurde der Brunnen vom katholischen Pfarrer Hans Scheuermann.
Mit dem Narrenbrunnen konnten zwei Fastnachtsbräuche – die Geldbeutelwäsche und das sich daran anschließende Fastnachtsverbrennen – auch in Boxberg ins Leben gerufen werden und fanden erstmals im Jahr 1989/1990 statt.

Nach 21 Jahren als Zunftmeister wurde Peter Metzger dann am 26. Februar 1995 verabschiedet und zwar von dem neuen Zunftmeister Harry Spachmann. Auch wenn die erste Aufgabe der Bocknarren die Straßenfastnacht war und ist, versuchte Harry 1996 etwas Neues: Die Nacht der Narren. Am Anfang als Experiment gedacht, ist die Nacht der Narren heute eine feste Größe im Boxberger Fasching.

Seit 2004 ist Günter Ruck der neue Zunftmeister, dessen erstes Anliegen es war, den Umbau des Vereinsheims, das bereits in der Amtszeit von Peter Metzger erworben wurde, fertigzustellen. Im gleichen Jahr begann der Um- und Innenausbau der "Hütte", die bereits ein Jahr später "bezugsfertig" war und in dem nun allmonatlich unser Stammtisch stattfinden kann.

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